Zehn Jahre Planungszeit, fünf Jahre Bauzeit, 50 Millionen Euro Investment: Ganz schön lang hat’s gedauert und ordentlich Geld gekostet, aber es hat sich ausgezahlt: Die alte Heimat von Moto Guzzi am Comer See erstrahlt in neuem Glanz.
Eröffnet wurden die neuen Anlagen anlässlich der Moto-Guzzi-Welttage 2026 (GMG = Giornate Mondiale Guzzi) vom 3. bis 6. September. Wir waren live vor Ort und haben die neuen Anlagen akribisch unter die Lupe genommen – und einmal mehr das bunte Treiben der vielen Tausenden Moto-Guzzi-Fans in Mandello del Lario genossen.
Beginnen wir kurz mit dem Amtlichen. Rund 5500 Quadratmeter innerhalb des alten Werkgeländes wurden neu bebaut; ein paar alte Konstrukte wurden dafür abgerissen, etwa das alte Motorenwerk. Die wichtigsten Anlagen befinden sich nun rund um eine neu geschaffene „Plaza“: Das in den markanten, grauen Zylindern untergebrachte neue Museum, das „Negozio“ (ein Motoplex-Store mit neuen Motorradmodellen aus dem Piaggio-Konzern und jede Menge Mode und Merchandising) sowie einem Café plus einem „Safe-Raum“ in dem die vielen Pokale und Siegestrophäen untergebracht wurden.
Über eine große, geschwungene Stiege gelangt man von der Plaza auf eine große Terrasse, die nicht nur einen schönen Überblick bietet, sondern außerdem Zugang zu drei nach innen gerichteten Balkonen bietet. Diese „Balkone nach innen“ bieten Aussichten ins Lager, in das ebenfalls völlig neue Motorenwerk und in die Endmontage. Sie sind so gestaltet, dass man jeweils große Bereiche des Produktionsprozesses von außen mitverfolgen kann.
Weitere Baumaßnahmen betreffen das ein wenig abseits gelegene Auditorium (für Veranstaltungen), an das neue Büroräume sowie eine Mitarbeiterkantine angeschlossen sind. Auf der anderen Seite der Plaze wurde der Bereich rund um den legendären Windtunnel neu gestaltet. Da das alte Motorenwerk abgerissen wurde, konnte man an seiner Stelle eine zweite Piazza schaffen, die mit neuem Baumbestand und Sitzgelegenheiten als Relax-Area eingerichtet wurde. Und: Man hat einen freieren Blick auf den Windtunnel, der ebenfalls dezent renoviert wurde – genauso wie die umstehenden historischen Bauten der alten Fabrik, die derzeit noch größtenteils leer stehen, aber in den nächsten zehn Jahren ebenfalls einer Nutzung zugeführt werden sollen.
Gestaltet hat das gesamte Areal der US-amerikanische Architekt Greg Lynn, Preisträger und Lehrbauftragter an zahlreichen Eliteunis. Auch mit Österreich hat Greg langjährige Verbindungen: Seit mittlerweile 28 Jahren hat er auch einen Lehrauftag an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.
Und weil wir gerade bei Österreich sind: Eine niederösterreichische Firma hat maßgeblich zum Bau der neuen Anlage beigetragen. Die wie Schuppen wirkenden Alu-Schindeln an der Fassade des „Negozio“ (rot) und an der Außenseite der Stiege (grau) stammen von Prefa – genauso wie die Metallverkleidungen an der Fassade der „Zylinder“ des Museums.